Tipps

Im Internet gibt es eine Vielzahl von Informationen zum Einbruchschutz. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Eine Auswahl seriöser Plattformen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) gibt es in meiner Linksammlung. Diese enthalten zahlreiche Informationen über Präventionsmaßnahmen bis hin zu virtuellen Häusern. Nachfolgend noch einige zusammengefasste allgemeine Tipps rund um den Einbruchschutz, welche einen neutralen Überblick über dieses komplexe Thema verschaffen sollen:

Professionelle Sicherheitstechnik wirkt!
Die am 24.03.2020 veröffentlichte bundesweite Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) verzeichnet für 2019 im dritten Jahr in Folge einen Rückgang beim Wohnungseinbruch. Dies kann durchaus auf Verbesserungen von Präventionsmaßnahmen im privaten Bereich zurückgeführt werden. Beim Einbruchschutz sollte jetzt also nicht nachgelassen werden! Seit Jahren sinkende Einbruchzahlen sind der Verdienst effektiver Sicherheitstechnik. Dennoch wird statistisch ca. alle 6 Minuten eingebrochen.

Trotz des Rückgangs blieb die Entschädigungsleistung der Versicherer mit rund 300 Millionen Euro auf dem Niveau von 2018. Die durchschnittliche Schadenhöhe kletterte im vergangenen Jahr um 350 Euro (+12 Prozent) auf 3.200 Euro. Der Schadendurchschnitt liegt damit so hoch wie nie zuvor, so die Einbruchsbilanz 2019 des GDV, dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft e.V.

Schon einfache technische Maßnahmen können das Einbruchsrisiko erheblich reduzieren. Eine gute Übersicht über die Auswertung von Einbrüchen und Einbruchsversuchen bietet dabei auch die Kölner Studie.

Grundsatz: Mechanik vor Elektronik
Bei der Absicherung von Objekten gilt es, zunächst alle Öffnungen, insbesondere Fenster, Türen und Kellerschächte mit geeigneten soliden mechanischen Sicherungselementen zu sichern. Empfohlen werden von unabhängigen Prüfinstituten geprüfte und zertifizierte Produkte. Eine gute Übersicht findet man in den Herstellerverzeichnissen der Polizei. Ergänzt mit elektronischen Sicherungseinrichtungen wie z.B. einer zertifizierten Einbruchmeldeanlage und/oder Videoüberwachung erhält man einen optimalen Rundumschutz bei höchstem Komfort. Im Alarmfall kann man dabei sich selbst, vertraute Personen oder einen Wachdienst informieren lassen, um weitere Maßnahmen zu veranlassen. Prinzipiell gibt es in der Sicherheitstechnik schon seit vielen Jahren die Entwicklung, dass Mechanik, Mechatronik, Elektronik und IT zusammenwachsen und entsprechende Produkte durch höhere Produktionszahlen für den Verbraucher günstiger werden.

Kripo-Beratungsservice in Anspruch nehmen
Kriminalpolizeiliche Beratungsstellen analysieren private Häuser und Wohnungen kostenlos hinsichtlich Schwachstellen in Bezug auf den Einbruchschutz. Hier geht es zur Beratungsstellensuche. Die Kripoberatungsstellen halten Adressnachweise von Errichterunternehmen für mechanische und elektronische Sicherungseinrichtungen bereit, welche die Kriterien des bundeseinheitlichen Pflichtenkatalog der Landeskriminalämter erfüllen. Die regionalen Errichterlisten sind beim jeweiligen Landeskriminalamt online abrufbar. In der Liste für mechanische Einbruchsicherungen ist auch vermerkt, ob sich die Betriebe für aufgeschraubte und/oder innenliegende Montage von Sicherheitselementen an Fenster- und Türen nach DIN 18104 Teil 1 oder 2 spezialisiert haben. Ferner gibt es eine LKA-Liste für Errichterunternehmen für Überfall- und Einbruchmeldeanlagen sowie für Videoüberwachungsanlagen.

Montage nur von Fachbetrieben vornehmen lassen
In der Sicherheitstechnik gibt es u.a. aufgrund von zahlreichen Normungen verschiedene Produktspezifikationen und Sicherungsklassen sowie Versicherungsauflagen. Zusätzlich sind gesetzliche Bestimmungen bei Fluchtwegen und beim Brandschutz zu beachten. Daher kann man von einer sehr beratungsintensiven Branche sprechen. Seriöse Sicherheitsfachgeschäfte projektieren die Objekte hinsichtlich des Einbruchschutzes nach allen relevanten Kriterien und unterbreiten ein Angebot. Wichtig ist es, die Installation nur von kompetenten Fachbetrieben vornehmen zu lassen, da es neben der geeigneten Produktauswahl insbesondere auch auf die richtige Befestigungstechnik ankommt. Hierzu werden geschulte und erfahrene Fachkräfte benötigt. Empfehlenswert sind Sicherheitsfachgeschäfte welche in einem Fachverband organisiert sind oder örtliche ansässige Unternehmen mit guten Empfehlungen und Bewertungen.

Staatliche Förderung für den Einbruchschutz beantragen
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder auch einzelne Bundesländer und Kommunen fördern private Investitionen für Einbruchschutz. Wichtig ist, dass die Maßnahmen nicht vor Bewilligung begonnen wurden. Der Fachverband interkey hält ein zusammenfassendes Infoblatt zur KfW-Förderung bereit. Eine Übersicht über die regionalen Förderungen bietet K-Einbruch.de. Kompetente Sicherheitsfachgeschäfte sind bei der Antragstellung behilflich.

Achtung bei Smart Home!
Immer mehr Anbieter werben häufig mit günstigen sogenannten. „Smart Home Produkten“ auch zur Selbstmontage, für den Bereich Einbruchschutz. Diese bieten jedoch oft keine umfassende Sicherheit. Außerdem besteht die Gefahr, dass digitale Signale durch Angriffe Dritter „mitgelesen“, manipuliert und damit für illegale Zwecke wie Ausspähen der Wohnungsinhaber, Sabotage und Einbruch genutzt werden. Wichtig bei Smart Home sind neben qualitativ hochwertigen und geprüften Produkten deren fachgerechte Montage. Dabei gilt es, zunächst für eine ganzheitliche solide mechanische Sicherung der Außenhaut zu sorgen. Ergänzende elektronische Produkte bieten Ihnen einen optimalen Schutz und Komfort. Jedoch sollten sie von einem unabhängigen Prüfinstitut getestet und durch geschultes Fachpersonal installiert werden. Smart Home Produkte sind (bei Bestandsgebäuden) sogar förderfähig, sofern es sich um geprüfte Geräte handelt. Es gibt bereits eine Vornorm nach DIN VDE V 0826-1.

Wertsachen zusätzlich im gesicherten Tresor aufbewahren
Keine Sicherung ist so gut, dass sie nicht überwunden werden kann. Es ist immer eine Frage der Zeit und des Aufwandes der betrieben wird. In der Regel werden Einbruchversuche innerhalb weniger Minuten abgebrochen, wenn geeignete einbruchshemmende Maßnahmen standhalten. Falls es dem Täter aber trotzdem gelingt einzudringen, hat er oft problemlosen Zugriff auf alle Wertsachen. Wenn im Haushalt höhere Werte an Bargeld oder Schmuck oder wichtige Dokumente, z.B. Versicherungspolicen, Fahrzeugbriefe vorhanden sind, bietet sich zusätzlich die Nutzung eines Tresors (auch Safe, Wertschutzschrank oder Wertbehältnis genannt) an, um einen zusätzlichen Schutz gegen Diebstahl zu schaffen. Außerdem gilt es, wichtige Unterlagen vor Brandschäden zu schützen. Dies ist natürlich auch für den gewerblichen Bereich relevant, wo neben dem Einbruchschutz auch das Thema Datenschutz eine wichtige Rolle spielt. Schusswaffen und Munition müssen nach dem Waffengesetz besonders aufgewahrt werden. Optimal ist, wenn der Tresor zusätzlich noch von einer Einbruchmeldeanlage überwacht wird. Natürlich sind nur zertifizierte Produkte zu empfehlen, denn ungeprüfte Billigtresore bieten kaum Widerstand. Außerdem kommt es auf die Befestigungstechnik an, damit nicht gleich der ganze Wertschutzschrank entwendet wird. Praktisch zu bedienen sind Tresore mit Zahlenkombination, bei denen gleichzeitig das Schlüsselverlustrisiko eliminiert wird. Sogenannte Wandtresore, welche im Mauerwerk verankert werden, bieten je nach Anwendungsgebiet Vorteile. Je nach der Höhe der versicherten Wertgegenstände können die Versicherer eine bestimmte Sicherheitsstufe bei den Tresoren verlangen. Eine Übersicht zu den Sicherheitsstufen sowie Informationen zu der Aufbewahrung von Schusswaffen und den Güteklassen des Brandschutzes hält der Fachverband interkey hier bereit. Dort gibt es auch eine Infobroschüre vom Prüfinstitut VdS zum Thema. Am besten lässt man sich von einer kriminalpolizeilichen Beratungsstelle und in einem Sicherheitsfachgeschäft beraten und den Tresor vom Fachunternehmen fachgerecht installieren. Jeder sollte sich zudem eine Wertgegenstandsliste anlegen und an einem sicheren Ort verwahren oder speichern. Eine gute Vorlage gibt es bei der Initiative Nicht-bei-mir.

Beim Neubau beachten
In Neubauten werden häufig bei Fenstern und Türen unsichere Standardbeschläge verbaut. Es gibt auch keinen Mindeststandard für Sicherheitstechnik in den Bauordnungen. Ebenfalls verlangen die Versicherungen in der Regel kaum sicherheitstechnische Vorkehrungen. In den meisten Policen heißt es lediglich, dass „der Profilzylinder nicht mehr als 3 mm überstehen darf und der Beschlag von Innen verschraubt sein muss„. Es ist jedoch wichtig, dass sämtliche Öffnungen eines Objektes solide gesichert werden. Daher sollte ein Bauvorhaben auch in Bezug auf die Sicherheitstechnik gut geplant werden. Schon bei der Auswahl der Bauelemente wie Fenster, Türen und Tore sollte darauf geachtet werden, dass hier schon bauseits hochwertige, geprüfte Sicherheitskomponenten wie z.B. Pilzkopfverriegelungen, Schutzbeschläge, Profilzylinder, Mehrfachverriegelungen, Sicherheitsschließbleche, Türbänder und Bandseitensicherungen verbaut und z.B. Kellerschächte ebenfalls gesichert werden. Man sollte daher den Planer oder Architekten auf die Sicherheitstechnik ansprechen und sich von der Polizei und vom Sicherheitsfachgeschäft beraten lassen. Selbst wenn nicht sofort eine Einbruchmeldeanlage oder Videoüberwachung geplant ist, sollte man schon beim Bau die Verkabelung vorsehen oder Leerrohre legen lassen. Die Bauelemente lassen sich für den Anschluss an die Einbruchmeldenanlage schon werksseitig mit entsprechenden Kontakten vorrüsten. Dies spart bei einer späteren Nachrüstung Kosten. Zertifizierte, verdrahtete Einbruchmeldeanlagen besitzen weniger Fehlerquellen als Funkalarmanlagen und man spart die Kosten für den Austausch der Batterien. Rauch- und Gaswarnmelder lassen sich ebenfalls in die Gefahren-bzw. Einbruchmeldezentrale mit einbinden. Wandtresore sind nicht nur günstiger in der Anschaffung, sondern auch an geeigneter Stelle unauffälliger zu platzieren und sicher im Mauerwerk zu verankern. Wird z.B. ein Zugang von der Garage in das Haus geplant, sollte man hier bei der erforderlichen Brandschutztür ebenfalls auf die oben genannten Sicherheitskomponenten achten, da diese i.d.R. dort nicht mehr nachgerüstet werden dürfen. Zum Einzug sollten die Schließzylinder gewechselt werden, da hier meistens nur einfache Bauzylinder zum Einsatz kommen und in der Bauphase oft mehrere Schlüssel im Umlauf sind oder dupliziert werden können. Der Sicherheitsfachhandel berät alternativ über mechatronische Zutrittskontrollsysteme, welche mit verschiedenen Identmedien oder biometrischen Zutrittsmethoden einfach bedient werden können und das Schlüsselverlustrisiko eliminieren. Da sie i.d.R. batteriebetrieben sind, lassen sich diese natürlich auch bei Bestandsbauten einfach nachrüsten. Die Polizei empfiehlt, bei Neu- und Umbauten den Einbau geprüfter und zertifizierter einbruchhemmender Türen und Fenster nach DIN EN 1627 ff. ab der Widerstandsklasse (Resistance Class) RC 2.

Sicherheit bei Anwesenheit
Um ungebetene Gäste auch bei Anwesenheit erst gar nicht erst in Haus zu lassen, gibt es bei der Initiative für aktiven Einbruchschutz „Nicht bei mir“ zahlreiche Tipps vom Türspion über Sperrbügelschlösser bis hin zu Videosprechanlagen und Zutrittskontrollen. Im mechanischen Bereich sind einfache Türketten nicht zu empfehlen, da diese nicht genügend Stabilität aufweisen. Empfehlenswert sind Mehrfachverriegelungsschlösser, Querriegel oder Kastenschlösser mit integriertem Sperrbügel. Alternativ gibt es auch in den Boden versenkbare Türstopper. Alle diese Produkte verhindern, dass die Tür zunächst mehr als einen Spalt geöffnet werden können. Wichtig ist, dass es im Notfall noch eine Öffnungsmöglichkeit der Schlösser von Außen gibt, oder einen anderen Eingang über den berechtigte Personen ins Haus gelangen können, wenn Anwesende mal nicht in der Lage sind, selbst zu öffnen. Gerade in der wärmeren Saison möchte man verstärkt lüften. Dafür gibt es z.B. spezielle Fensterbeschläge, welche ein leichtes Lüften ermöglichen und trotzdem Einbruchschutz bieten. Außerdem gibt es Nachrüst-Fensterschlösser und -Griffe mit Sperrbügelfunktion. Wichtig bleibt aber, Fenster und Türen auch bei kurzer Abwesenheit immer zu verschließen! Beim den elektronischen Sicherungen können Einbruchmeldeanlagen so konzipiert werden, dass sie auch bei Anwesenheit intern scharf geschaltet werden und so z.B. die Außenhaut der Türen und Fenster oder bestimmte Bereiche überwachen. Dabei kann man Fenster so überwachen, dass sie in Kippstellung keinen Alarm auslösen, sondern nur bei kompletter Öffnung. Ferner gibt es Nottaster, welche bei Überfall den Alarm auslösen und über eine Wachdienstzentrale Hilfe herbeiholen. Videokameras oder Sprechanlagen lassen sich zudem bequem vom Smartphone aus überwachen. Türspione gibt es heutzutage auch in digitaler Ausführung.

Allgemeine Tipps der Polizei beachten
– Tür immer ab abschließen
– Fenster, Balkon- und Terrassentüren immer verschließen
– Gekippte Fenster sind offene Fenster!
– Schlüssel niemals draußen verstecken
– Bei Schlüsselverlust, Schließzylinder auswechseln
– Fenster, Türen, Kellerschächte d. Sicherheitsbeschläge u. -schlösser sichern
– Auf Fremde im Haus oder auf dem Nachbargrundstück achten
– Keine Hinweise auf Abwesenheit geben
– Weitere Infos unter: www.k-einbruch.de oder www.polizei-beratung.de

Stichwortverzeichnis von A – Z
Ein gutes alphabetisches Stichwortverzeichnis mit vielen Begriffen rund um die Sicherheitstechnik bietet die Plattform für Sicherheitsinformationen SecuPedia.info

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